Zum 1. Mai 2026 ist das Forschungs- und Transferprojekt „CoEnergy – Föderierte Energiemärkte in lokaler Hand“ offiziell gestartet. Das Projekt wird gemeinsam vom Institut für Genossenschaftswesen der Universität Münster und der MLH Bürgerimmobilien eG durchgeführt.

Projektstart von CoEnergy: Lokale Energiemärkte genossenschaftlich denken

Das Forschungs- und Transferprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie lokale Energiemärkte künftig genossenschaftlich organisiert, gesteuert und wirtschaftlich betrieben werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie Energy Sharing, Datensouveränität, neue Geschäftsmodelle und regionale Wertschöpfung. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines praxisnahen Modellbaukastens für lokale, föderierte Energiemärkte.

Einen ersten wichtigen Meilenstein bildete der Kick-off am 19. Mai 2026 im Martin-Luther-Haus in Steinfurt. Vertreterinnen und Vertreter aus Genossenschaftswesen, Energiewirtschaft, Kommunen, Wissenschaft und Praxis diskutierten dort gemeinsam zentrale Fragestellungen rund um lokale Energieversorgung, Energy Sharing und neue Kooperationsmodelle. Bereits die Zusammensetzung der Teilnehmenden des Ökosystems im Kreis Steinfurt machte deutlich, wie vielfältig die Perspektiven auf das Thema sind: Bürgerenergiegenossenschaften, Stadtwerke, Windparkbetreiber, kommunale Akteure, Landwirtschaft, Verbände und Plattform- sowie Infrastrukturperspektiven kamen miteinander ins Gespräch.

In mehreren Impulsen wurde zunächst die Bedeutung genossenschaftlicher Prinzipien für zukünftige Energiemärkte hervorgehoben. Dr. Philipp Thimm vom Genoverband verwies auf die besondere Rolle von Genossenschaften als demokratisch organisierte und regional verankerte Akteure.  Gerade Energiegenossenschaften könnten wichtige Beiträge leisten, um Akzeptanz, Beteiligung und lokale Wertschöpfung zusammenzuführen. Zugleich wurde deutlich, dass sich durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen erstmals realistische Möglichkeiten eröffnen, Energy-Sharing-Ansätze stärker in die praktische Umsetzung zu bringen.

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Prof. Dr. Thorsten Wiesel beim Kick-off am 19. Mai 2026 im Martin-Luther-Haus in Steinfurt mit Vertreter*innen aus Genossenschaftswesen, Energiewirtschaft, Kommunen, Wissenschaft und Praxis

Die anschließenden Diskussionen machten sichtbar, wie groß der Bedarf nach konkreten Lösungen ist. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Wie können lokal erzeugte Strommengen direkt vor Ort genutzt und vermarktet werden? Welche Rolle übernehmen Stadtwerke, Genossenschaften und Plattformen künftig jeweils? Welche technischen und regulatorischen Voraussetzungen braucht ein Mehrlieferantenmodell? Und wie lassen sich Energieflüsse, Netzentgelte und Abrechnungsprozesse transparent organisieren?

Besonders intensiv diskutiert wurde die Perspektive auslaufender EEG-Förderungen. Viele Bürgerenergiegenossenschaften stehen vor der Herausforderung, bestehende Anlagen auch künftig wirtschaftlich betreiben zu können. Energy Sharing und lokale Vermarktungsmodelle könnten hier neue Möglichkeiten eröffnen – etwa durch direkte lokale Nutzung von Wind- oder Solarstrom, reduzierte Netzentgelte oder sektorübergreifende Nutzungskonzepte. Gleichzeitig wurde deutlich, dass zukünftige Modelle weit über klassische Photovoltaikansätze hinausgehen könnten: Auch Windenergie, Biogas, Wasserstofftechnologien oder die Umwandlung von Überschussstrom in speicherfähige Energieträger wurden als relevante Perspektiven diskutiert.

Neben regulatorischen und technischen Fragen spielte auch die organisatorische Ebene eine wichtige Rolle. Mehrfach wurde betont, dass zukünftige Energiemärkte neue Formen der Zusammenarbeit benötigen. Statt einzelbetrieblicher Optimierung rücken Plattformlogiken, gemeinsame Datenräume und koordinierte Steuerungssysteme stärker in den Vordergrund. Das Projekt CoEnergy versteht sich deshalb ausdrücklich nicht nur als technisches Vorhaben, sondern auch als Forschungsprojekt zu Governance, Kooperation und genossenschaftlicher Organisation.

Der Kick-off machte zugleich deutlich, dass viele Akteure bereits konkrete Ideen, Projekte und Erfahrungen mitbringen. Diskutiert wurden unter anderem Smart-Meter-Rollout, lokale Flexibilitätsmärkte, Cloud-Strom-Ansätze, sektorübergreifende Kopplungen sowie die intelligente Steuerung von Verbrauch und Speicherung. Dabei wurde immer wieder die Frage gestellt, wie komplexe technische Systeme so gestaltet werden können, dass sie für Kommunen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger praktikabel und wirtschaftlich nutzbar bleiben.

Mit dem offiziellen Projektstart beginnt nun die nächste Phase von CoEnergy. In den kommenden Monaten sollen konkrete Use Cases analysiert, Akteursrollen definiert und mögliche Organisations- und Plattformmodelle entwickelt werden. Ziel ist es, gemeinsam mit Praxispartnern tragfähige Ansätze für lokale Energiemärkte zu erarbeiten, die wirtschaftliche, regulatorische und genossenschaftliche Perspektiven zusammenführen.

Zum Thema:

Projekt CoEnergy

CoEnergy untersucht zusammen mit der MLH eG, wie lokale Energiemärkte genossenschaftlich organisiert werden können. Im Mittelpunkt stehen neue Governance-Modelle, regionale Marktlogiken und die praktische Umsetzung von Energy Sharing. Gemeinsam mit Akteuren aus dem Kreis Steinfurt entstehen übertragbare Konzepte für die Energiewende vor Ort.

Weitere Informationen zum Projekt, den Projektpartnern sowie den Ansprechpartnern finden Sie auf der Projekthomepage von CoEnergy. ↗
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